Technische Übersicht

Bevor Sie Ihr Citrix Produkt verwenden können, müssen Sie die Citrix Lizenzierung installieren. Die Citrix Lizenzierung ist ein System von Komponenten, die zusammen arbeiten. Dieses System umfasst:

Lizenzserver: Ein System, das die Freigabe von Lizenzen im Netzwerk ermöglicht.

Lizenzdateien. Dateien, die für die Lizenzierung des Produkts benötigt werden. Diese Dateien werden auf dem Lizenzserver gespeichert.

Citrix Licensing Manager. Empfohlene Lizenzserver-Verwaltungsmethode, die Folgendes ermöglicht:

  • Exportieren von Lizenznutzungsdaten für die Berichterstellung
  • Konfigurieren des Benutzer- und Gruppenzugriffs zum Verwalten des Lizenzservers.
  • Installieren von Lizenzen mit Lizenzzugangscode oder Lizenzdatei (.lic).
  • Aktivieren und Seaktivieren des zusätzlichen Kulanzzeitraums
  • Ändern dieser Ports:
    • Lizenzserverport (Standard 27000)
    • Vendor Daemon (Standard 7279)
    • Port für Web Services for Licensing (Standard 8083)
  • Detailanzeige für Lizenzen nach ihrer Installation über einen Lizenzzugangscode oder eine heruntergeladene Datei.
  • Konfiguration des Programms zur Verbesserung der Benutzerfreundlichkeit (CEIP) und von Call Home.
  • Wiederholtes Hochladen bei fehlgeschlagener Übermittlung von Nutzungsstatistiken an Citrix
  • Automatische oder manuelle Suche nach Customer SuccessServices-Verlängerungslizenzen und Benachrichtigung oder Installation der gefundenen Lizenzen.
  • Konfigurieren der Beibehaltung historischer Nutzungsdaten. Daten werden standardmäßig 180 Tage lang beibehalten.
  • Benachrichtigung über den Zustand des Lizenzservers - fehlende Startlizenz, zeitliche Probleme, Uploaderfehler.

License Administration Console: Eine weitere Benutzeroberfläche zur Verwaltung der Lizenzdateien und des Lizenzservers.

Web Services for Licensing: Ermöglicht Folgendes für Studio, Director und das PowerShell Snap-In “Licensing Administration”:

  • Kommunizieren mit dem Lizenzserver und Verwalten von Benutzern
  • Zuteilen und Installieren von Lizenzen
  • Anzeigen der Lizenzserverintegrität, Lizenznutzung und anderer Warnmeldungen

Citrix License Management Service: Ermöglicht die Verwaltung Ihrer Lizenzumgebung mit einer Lizenzverwaltungskonsole in Citrix Insight Services. Dieser Dienst unterstützt die Lizenzverwaltung und den Support:

  • Zuteilen neuer Lizenzen, wenn Sie die Lizenzkapazität erreichen
  • Aufheben alter Lizenzen nach einem Upgrade
  • Verwalten doppelter Lizenzen in einer Notfallwiederherstellungsumgebung

Produktseitige Einstellungen in Ihren Citrix-Produkten, die sich auf den Lizenzserver beziehen.

Weitere Informationen finden Sie unter Lizenzierungselemente und Dienste.

Lizenzierungsübersicht

Wenn ein Benutzer zum ersten Mal eine Verbindung zu einem Citrix Produkt herstellt, fordert üblicherweise das Produkt eine Lizenz vom Lizenzserver an. Wenn der Lizenzserver die Lizenz gewährt, wird eine Lizenz für dieses Citrix Produkt reserviert. Das Reservieren von Lizenzen für diesen Zweck wird als Auschecken von Lizenzen bezeichnet. Wenn sich der Benutzer vom Server abmeldet, gibt das Produkt die Lizenz an den Lizenzserver zurück. Dies wird als Einchecken von Lizenzen bezeichnet. Bei manchen Citrix Produkten wird die Lizenz ausgecheckt, sobald ein Benutzer sich mit dem Produkt verbindet, und die Lizenz bleibt für einen zuvor festgelegten Zeitraum ausgecheckt.

Beim Öffnen eines Citrix Produkts wird eine Verbindung zum Lizenzserver hergestellt und die Startlizenz ausgecheckt. Die Startlizenz ist eine Citrix Systemdatei, mit der Citrix Produkte eine fortlaufende Verbindung zum Lizenzserver aufrechterhalten. In der folgenden Abbildung wird dargestellt, wie jedes Produkt eine eigene konstante Verbindung zum Lizenzserver herstellt.

Wenn beispielsweise eine Lizenzanfrage von einem Citrix Virtual Desktops-Server eingeht, ruft das Produkt den Namen des Lizenzservers und die Portnummer aus dem Datenspeicher ab. Das Produkt stellt dann eine Verbindung her, um die entsprechenden Lizenzen zu erhalten.

Hinweis

Verwenden Sie beim Konfigurieren der produktseitigen Einstellungen für den Lizenzservernamen nicht “localhost”. Sie können zwar den Hostnamen, die IP-Adresse und den vollqualifizierten Domänennamen (FQDN) verwenden, Citrix empfiehlt jedoch die Verwendung des FQDN.

Prozess zum Auschecken der Lizenzen hat drei Phasen.

Auscheckprozess

Citrix Produkte checken Lizenzen in drei Phasen aus:

  1. Beim Start checkt ein Computer, auf dem ein Citrix Produkt ausgeführt wird, eine Startlizenz aus.
  2. Ein Clientgerät stellt eine Verbindung zum Produktserver her.
  3. Das Produkt fordert eine Lizenz vom Lizenzserver an.

Citrix Produkte, z. B. Citrix Virtual Desktops, speichern eine Kopie der vom Lizenzserver erhaltenen Lizenzinformationen, u. a. die Anzahl und den Typ der Lizenzen. Wenn ein Citrix Produktserver seine Verbindung zum Lizenzserver verliert oder der Lizenzserver nicht zeitnah antwortet, beginnt für das Produkt ein Kulanzzeitraum. Während des Kulanzzeitraums verwendet das Produkt den lokalen Lizenzdatensatz, um die Lizenzierung des Produkts aufrechtzuerhalten. Citrix Produkte aktualisieren diesen Datensatz stündlich.

Skalierbarkeit

Dieser Abschnitt enthält die zur erfolgreichen Lizenzservernutzung erforderlichen Informationen über die Auswirkungen der Lizenznutzungsskalierbarkeit in Citrix Umgebungen. Citrix hat folgende Skalierbarkeitstests durchgeführt:

VM-Hardware/-Konfiguration: Intel Xeon E5-2650 v3, 2,30 GHz 4 virtuelle CPUs 8 GB RAM Windows Server 2016

Gleichzeitige Nutzung (Versionen bis 6.5):

  • 3000 verbundene Citrix Virtual Apps-Server
  • 53.000 Lizenzen
  • 50-60 Verbindungen pro Sekunde

Eine Skalierung auf über 53.000 Lizenzen führt zu einer Aktivierung des Kulanzzeitraums für die Server. Außerdem treten Probleme mit WMI, lmstat und der License Administration Console auf. Citrix empfiehlt, die Zahl der gleichzeitigen Verbindungen pro Lizenzserver auf maximal 50.000 zu limitieren.

Gleichzeitige Nutzung (Version 7.x)

  • 16 Delivery Controller
  • 70.000 Lizenzen
  • 50-60 Checkouts pro Sekunde

Benutzer/Gerät (Version 7.x)

  • 16 Delivery Controller
  • 150.000 Benutzer-/Gerätelizenzen
  • 50/60 Checkouts pro Sekunde

CITRIX.exe ist ein Single-Thread-Prozess. Das Höchstlimit gleichzeitig bedienter Verbindungen hängt von der Einzelkenrprozessor-Taktfrequenz ab. Unter Spitzenlast nutzt CITRIX.exe 100 % eines Einzelkerns und es kommt schließlich zu einem Timeout. Eine solche Nutzung kann dazu führen, dass für Citrix Produkte ein Kulanzzeitraum aktiviert wird oder Fehler bei der License Administration Console oder andern Hilfsprogrammen des Lizenzservers auftreten. Wenn der Lizenzserver die angestauten Verbindungen verarbeitet hat, kehrt er zum Normalzustand zurück. Überwachen Sie die Prozessornutzung durch CITRIX.exe, um zu ermitteln, ob ein schnellerer Prozessor benötigt wird. Treten in hochskalierten Umgebungen Probleme auf, empfiehlt Citrix die Bereitstellung zusätzlicher Lizenzserver.

Die Benutzer-/Gerätetechnologie basiert auf Multi-Thread-Prozessen und lässt sich besser skalieren. Während einer Lizenzoptimierung nutzen Lizenzierungsaktivitäten evtl. 100 % eines Einzelkerns. Diese Nutzung ist normal und hat keine Auswirkungen auf Prozessornutzung und Funktion von CITRIX.exe. Citrix empfiehlt, die Nutzung der Lizenzserverressourcen zu überwachen und ggf. zusätzliche Lizenzserver hinzuzufügen, damit die Umgebung einwandfrei funktioniert.

Wir empfehlen, dass Sie die Threadnutzung angeben, um die Leistung zu verbessern. Weitere Informationen finden Sie unter Erhöhen der Leistung durch Festlegen der Threadnutzung.

Hinweis

Das Ausführen von WMI, lmstat, lmutil und anderen Bestandsaktionen kann negative Auswirkungen auf die Lizenzserverleistung haben. Citrix empfiehlt, solche Aktivitäten auf ein Mindestmaß zu beschränken. Wenn Sie Nutzungsdaten benötigen, exportieren Sie diese aus Citrix Licensing Manager. Weitere Informationen finden Sie unter “Nutzungsverlauf”.

Kulanzzeitraum

Wenn die Kommunikation zwischen Produktservern und dem Lizenzserver ausfällt, werden Benutzer und Produkte durch einen Kulanzzeitraum geschützt. Die Produktserver funktionieren weiter, so als ob sie noch mit dem Lizenzserver kommunizierten. Nach dem Auschecken einer Startlizenz durch das Citrix Produkt tauschen der Produkt- und der Lizenzserver alle fünf Minuten Heartbeat-Meldungen aus. Durch die Heartbeat-Meldungen signalisieren sie sich gegenseitig ein normales Funktionieren. Wenn der Produkt- oder der Lizenzserver keine Heartbeat-Meldungen mehr senden oder empfangen, beginnt ein Kulanzzeitraum, in dem sich das Produkt selbst mit im Cache gespeicherten Informationen lizenziert.

Der Kulanzzeitraum wird von Citrix festgelegt. Der Zeitraum ist meist 30 Tage, es kann aber abhängig vom Produkt auch ein anderer sein. Das Windows-Ereignisprotokoll und andere Produktmeldungen geben die Anzahl der verbleibenden Stunden im Kulanzzeitraum an, wenn der Kulanzzeitraum für das Produkt gestartet wurde. Wenn der Kulanzzeitraum abgelaufen ist, nimmt das Produkt keine Verbindungen mehr an. Nachdem die Kommunikation zwischen dem Produkt und dem Lizenzserver wiederhergestellt ist, wird der Kulanzzeitraum zurückgesetzt.

Der Kulanzzeitraum wird nur angewendet, wenn das Produkt mindestens einmal erfolgreich eine Verbindung mit dem Lizenzserver hergestellt hat.

Beispiel für den Kulanzzeitraum - zwei Standorte, beide verwenden denselben Lizenzserver:

Die Verbindung zwischen Standort 1 und dem Lizenzserver wird unterbrochen; dadurch beginnt für Standort 1 der Kulanzzeitraum, der Betrieb wird fortgesetzt und Verbindungen werden hergestellt. Bei CCU-Lizenzen entspricht die maximale Anzahl von Verbindungen der installierten Anzahl der maximal gleichzeitigen Lizenzen. Bei Benutzer-/Gerätelizenzen ist die Anzahl der Verbindungen unbegrenzt. Wenn Standort 1 die Kommunikation mit dem Lizenzserver wieder aufnimmt, werden die Verbindungen wiederhergestellt. Neue Verbindungen sind erst wieder zulässig, wenn die Anzahl der Verbindungen wieder innerhalb der normalen Lizenzlimits liegt. Standort 2 ist davon nicht betroffen und funktioniert normal.

Wenn der Lizenzserver ausfällt oder heruntergefahren wird, beginnt für beide Standorte der Kulanzzeitraum. An jedem Standort kann die installierte Maximalanzahl von Lizenzen genutzt werden. Wie oben gibt es für Benutzer-/Gerätelizenzen keine Begrenzung.

Zusatzkulanzzeitraum

Der Zusatzkulanzzeitraum ist nur verfügbar, wenn Sie mindestens XenApp 7.6 oder XenDesktop 7.6 verwenden.

Wenn alle Lizenzen verwendet werden, können Benutzer durch den Zusatzkulanzzeitraum unbegrenzte Verbindungen zu einem Produkt aufbauen, um das Problem zu untersuchen. Der Zeitraum endet nach 15 Tagen oder mit der Installation weiterer Volllizenzen (Retail), je nachdem, welcher Fall zuerst eintritt. Es wird empfohlen, einen eingeleiteten Zusatzkulanzzeitraum erst ablaufen zu lassen und nicht sofort Lizenzen hinzuzufügen, um den Warnzustand zu beenden.

Nach Ablauf der Frist wird das normale Verbindungslimit durchgesetzt. Benutzersitzungen werden nicht getrennt. Wenn Benutzer Verbindungen trennen, werden neue Verbindungen erst wieder möglich, wenn sich die Lizenzanzahl normalisiert hat.

Nach Ablauf des Zusatzkulanzzeitraums wird das Feature nicht automatisch reaktiviert. Installieren Sie eine weitere Volllizenz, um den Zusatzkulanzzeitraum erneut zu aktivieren. Anschließend wird das normale Lizenzlimit durchgesetzt. Wenn Sie den Zusatzkulanzzeitraum durch Installieren der neuen Volllizenz reaktivieren, beginnt beim nächsten Überschreiten der Höchstanzahl installierter Lizenzen erneut ein 15-tägiger Zusatzkulanzzeitraum.

Hinweis

Wenn Sie Lizenzen installieren, während der Zusatzkulanzzeitraum in Kraft ist, beendet der Lizenzserver den Zusatzkulanzzeitraum. Wenn Sie den Zusatzkulanzzeitraum reaktivieren, ohne festzustellen, wodurch er ausgelöst wurde, kann dies dazu führen, dass die Frist nach dem Installieren neuer Lizenzen erneut in Kraft tritt.

Der Zusatzkulanzzeitraum wird pro Produktversion und Edition und nur für Volllizenzen gewährt. Der Zusatzkulanzzeitraum ist beim ersten Installieren von Lizenzen standardmäßig aktiviert. Verwenden Sie zum Konfigurieren des Zusatzkulanzzeitraums Citrix Licensing Manager.

Beispiel für Zusatzkulanzzeitraum

Wenn Sie 1000 Lizenzen installiert haben und eine weitere Verbindung herstellen (maximale Lizenzanzahl + 1), tritt der Zusatzkulanzzeitraum in Kraft. Sie erhalten dann für einen Zeitraum von 15 Tagen zusätzliche Lizenzen, um unvorhergesehene Kapazitätsprobleme zu beheben.

Wichtig

Zusatzkulanzzeitraum und Lizenzüberziehung sind zwei unterschiedliche Features. Der Zusatzkulanzzeitraum ist ein Feature des Produkts und des Lizenzservers. Die Lizenzüberziehung ist ein Feature der Lizenz. Informationen zur Lizenzüberziehung finden Sie unter Lizenzüberziehung.